… wieder wie verfeindete Steinzeit-Stämme gegenüber. Kann es sein, dass unsere Primatengehirne nicht für den demokratischen Diskurs ausgelegt sind? Beim Europäischen Salon am 28. Januar erörterten wir mit Dr. Christoph Meißelbach verschiedene Ursachen: von Repräsentationsproblemen über den Populismus bis hin zu sozialen Medien. Den Forschungen des Politikwissenschaftlers Ernst Frenkel folgend sei, so Meißelbach, die Demokratie nicht das Instrument, um die „beste“ Lösung zu finden. Es gehe gerade darum, das Gruppendenken von wir gegen die anderen zu überwinden. Demokratie in diesem Sinne sei zu verstehen, als das Vereinbaren von Spielregeln für einen fairen Wettstreit. Nur im fairen Wettstreit könne für die Vielfalt der Meinungen eine Lösung mit einer Mehrheitsentscheidung gefunden werden. Zugespitzt meinte Meißelbach: „Wie herrlich, dass ich in einer Gesellschaft lebe, in der regelmäßig solche Entscheidungen getroffen werden, die mir gegen den Strich gehen“.
Am Ende des Abends waren sich alle einig, es lohne sich, sich für faire demokratische Spielregeln einzusetzen. Der zivilisierte Streit würde die Lebenswirklichkeit der Menschen, aber auch die Komplexität der heutigen technischen, sozialen und politischen Verhältnisse besser abbilden, als eine Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse, in „die“ und „wir“.
(Katharina Wolf)